Was hat mehr Gewicht – Töpferei oder Malerei?
Ölvase
Griechenland, Lekythos
Höhe 29,7 cm, Durchmesser ca. 9 cm, ca. 470 v. Chr.
Bei den Athenern, heißt es, galt der Töpfer mehr als der Maler. Aber wie geht der Wettstreit der Künste bei dieser Ölvase aus? Beim jüngsten Neuzugang der Sammlung lässt sich das nicht entscheiden, denn sie beflügeln sich gegenseitig.
Diese Vasenform, genannt Lekythos, steigt auf vom Fuß: straff, schlank und in sich gefestigt. Der Fuß verbindet den Corpus mit der Erde und erhebt sich federnd über die `empfundene´ Einziehung. Der Corpus steigt schnell und selbstgewiss zur Schulter auf, um sich ruhig zum Hals zusammenzuziehen und dann über einen kleinen Absatz sich zur genau abgestimmten Lippe zu erweitern. Die Gesamtform zeigt sich ohne Speck oder Magerkeit. Charmant sitzt der Henkel zwischen Hals und Corpus, er verbindet beides und lädt die Hand zur Berührung ein. Nicht so der Abstieg: er ist straff-kühn, aber nicht frei von Zögern. Zögern im Bereich von Henkel, Hals und Schulter. Stärker ist das Hinauf als das Hinab.
Die rotfigurige Malerei zeigt eine sehr fein gemalte (männliche oder weibliche?) Figur mit ausgestrecktem linken Arm, der wohl eine Opferung andeutet. Die Figur träge einen Himation (Mantel) und einen unbekannten Gegenstand vor der Brust.
Bei den Athenern galt der Töpfer, so las ich, mehr als der Maler, aber der Topf entsprach dem Kanon und der Tradition. Die Malerei war persönlicher und konnte leichter misslingen. Das Mäanderband, auf dem die Figur steht, war gewiss von anderer Hand als der Kopf, der mit spätarchaischer Meisterschaft gezeichnet ist. Kenner meinen, die Malerei stammte vom sogenannten ´Karlsruher Maler` um 470 v. Chr.
Die Vase war vollständig zerbrochen und ist meisterhaft restauriert worden. Da weiß ich nicht, was mehr Gewicht hat: der Vasenkörper oder die Malerei. Sie beflügeln sich gegenseitig.
Raimer Jochims, 6.8.2019
Arbeitsnotiz vom 3.6.1976
identität der steine: herauslösen und klären der form, die durch naturgeschichte, durch erkalten, brechen, reiben, aufprall, sprengen etc. vorbereitet ist. die farbe wird nicht von mir bestimmt sondern freigelegt….
Geheimtipp Kunst: Die Sammlung zur Weltkunst am 23.4. in hr2
„Im Eliashof in Hochstadt findet sich eine der ungewöhnlichsten Sammlungen des Rhein-Main-Gebietes.“ So steht es heute auf der Website des Hessischen Rundfunks. In der neuen Sendereihe „Geheimtipp Kunst“ des hr-Hörfunks erzählt die Autorin Stefanie Blumenbecker von ihrem Besuch in Hochstadt.
Hier geht´s zum Beitrag: » hr2 Geheimtipp Kunst
Ganz den Steinen gewidmet
Arbeiten von Raimer Jochims sind derzeit in der Galerie Jacky Strenz in Frankfurt zu sehen.
Vom 15. März bis zum 28. April 2019 läuft bei Jacky Strenz außerdem Teil 2 einer Jochims-Ausstellung, diesmal ganz den Steinen gewidmet.
Frankfurt, Ingolstadt, Madrid.
Arbeiten von Raimer Jochims sind derzeit an drei Orten zu sehen:
» Galerie Jacky Strenz
» MKK in Ingolstadt
» IFMA Madrid
Neuzugang – eine Vinća-Figur aus dem 5.-4. Jt. v. Chr.
Feier des Lebens
Vinća war eine Großkultur im unteren Donauraum. Unser jüngster Neuzugang in der Sammlung zeigt eine kleine Figur mit erregtem Phallus und heiterem Ausdruck von Leib und Gesicht. Diese lebenszugewandte Darstellung der Sexualität ging im Abendland und in der Antike durch das Christentum verloren, das zutiefst leibfeindlich war und die Geschlechtskraft mit Sünde gleichsetzte. Die viel ältere Vinća-Kultur kennt diese negative Sicht noch nicht. Hier wird das Leben noch gefeiert.
Über das Geistige in der Kunst
100 Jahre nach Kandinsky und Malewitsch
30. September 2018 bis 10. März 2019
Ausstellung im Museum für konkrete Kunst Ingolstadt:
u.a. mit Rainer Eisch, Ann Veronica Janssens und Raimer Jochims
» MKK Ingolstadt
Katalog der Sammlung
Im August 2015 erschien der Katalog zur Sammlung.
Mit Abbildungen ausgewählter Objekte und ausführlichen Beschreibungen von Raimer Jochims.
Stiftung Eliashof in Hochstadt
Sammlung zur Weltkunst
Herausgeber:
Raimer Jochims für die Stiftung Eliashof
50 farbige Abbildungen, Format 28,5 x 22,5 cm,
112 Seiten, gebunden, Hardcover
15,- Euro plus Versandkosten
KANN-Verlag, Frankfurt am Main, 2015
ISBN 978-3-943619-35-5
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